Die Geschichte Greetsiels

Fischerboot in Greetsiel
Fischerboot in Greetsiel

Greetsiel ist einer von 19 Ortsteilen der 1972 gebildeten ostfriesischen Gemeinde Krummhörn. Nicht nur die Stellung als touristisches Edelstück und als einziges Fischerdorf der Gemeinde, die mit 160 Quadratkilometern so groß wie Saarbrücken ist, lässt Greetsiel etwas Besonderes sein. Auch die Historie des heute knapp 1500 Einwohner zählenden Sielorts an der Leybucht hat etliche Sonderheiten zu bieten.

Greetsiel wurde bereits im 13. Jahrhundert erwähnt

Die erste bekannte urkundliche Erwähnung von Greetsiel stammt aus dem Jahr 1388. Damals wurde Greetsiel als „Greit“ bezeichnet. Der Name geht auf das altfriesische Wort für „Weide, angeschwemmtes Land“ zurück.

Greetsiel wurde wahrscheinlich von der Häuptlingsdynastie Cirksena Mitte des 14. Jahrhunderts gegründet.

Bis zum Ende des 13. Jahrhundert herrschte in Ostfriesland anders als in den meisten anderen Regionen des Heiligen Römischen Reiches ein freies Bauerntum mit sich selbst verwaltenden Landgemeinden. Später konnten sich einige Großbauernfamilien von den Landgemeinden loslösen und sich als eingeborene Adelssippen Herrschaftsrechte aneignen.

Die Häupter des Neuadligen-Clans, die ihre Stellung unter anderem durch den Bau von Burgen sicherten, führten den Titel „Häuptling“.

Die Häuptlings-Familie Cirksena stammte aus der Greetsieler Umgebung. Die Cirksena stiegen nach dem Sieg über andere bedeutende Sippen Mitte des 15. Jahrhunderts zur mächtigsten Familie in Ostfriesland auf. 1464 wurden sie vom Kaiser zu Reichsgrafen über ganz Ostfriesland gemacht.

Diese Machtstellung mussten sie allerdings ständig gegen Widersacher verteidigen. Mit dem Aussterben der 1654 zu Fürsten erhobenen Cirksena fiel Ostfriesland im Juni 1744 aufgrund eines kurz vorher geschlossenen Nachfolgevertrages („Emder Konvention“) an Preußen.

Greetsiel spielte in der Cirksena-Zeit eine bedeutende historische Rolle. An das dortige Siel, also dem Deichdurchlass zur Nordsee, hatte die Cirksena ihren Sitz verlegt, nachdem ihr ursprünglicher, zwei Kilometer entfernter Residenzort Appingen in Folge der Leybucht-Eindeichung seinen Zugang zur See verloren hatte.

Von 1362 bis 1388 bauten die Cirksena an ihrer „Olde Huus“ genannten Greetsieler Häuptlingsburg. 1401 wurde die heute immer noch existierende Kirche der Burg geweiht.

Im 15. Jahrhundert wurde die Wehranlage von Ulrich Cirksana erheblich erweitert. Von der Burg ist heute im Wesentlichen nur noch der ehemalige Wirtschaftshof („Schatthaus“) erhalten.

Im 16. Jahrhundert verlegten die Cirksena ihre Residenz nach Emden, die jetzt oft „Ulrichsburg“ genannte Greetsieler Burg blieb aber als Befestigung weiter wichtig.

1534 wurde sie nach einer Niederlage des ostfriesischen Grafen Enno II. gegen Balthasar von Esens vorübergehend von Sieger-Truppen besetzt.

Der wohl bekannteste Nicht-Cirksena, der in Greetsiel auf die Welt kam, ist der berühmte Historiker und Theologe Ubbo Emmius (1547 – 1625).

Vertrag von Greetsiel

1595 kam mit dem „Vertrag von Greetsiel“ die „Emder Revolution“ vorläufig zu ihrem Abschluss. Die Emder hatten sich gegen den Cirksena-Grafen erhoben, ihn nach Aurich vertrieben und unter der Schutzherrschaft der Niederlande durch den Vertrag von Delfzijl (15.7.1595) de facto den Status einer Freien Stadt erreicht. Im kurz danach zusätzlich geschlossenen Vertrag von Greetsiel wurde die Glaubensspaltung in Ostfriesland festgeschrieben. Danach sollte in Emden allein der evangelisch-reformierte Glauben praktiziert werden. 1609 und 1684 wurde Greetsiel von Emdern beziehungsweise von brandenburgischen Truppen eingenommen und besetzt. Die brandenburgische Besetzung dauerte bis 1692.

Im 18. beziehungsweise 19. Jahrhundert wurden die beiden, heute als Wahrzeichen Greetsiels geltenden, Zwillingsmühlen errichtet

In der Weimarer Republik entluden sich mehrmals Spannungen zwischen Landarbeitern und Hofbesitzern zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Gespaltenheit der Bevölkerung schlug sich auch im damaligen Wahlverhalten nieder: So erhielt die SPD bei den Reichstagswahlen im Juli 1932 40,2, die NSDAP 39,5 % der Stimmen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Greetsiel Ziel von mehreren alliierten Bomberangriffen.